Alnatura – Fleisch essen / Pro & Contra

Quelle: Alnatura – Fleisch essen / Pro & Contra / Kultur & Gesellschaft / News & Wissen

01.02.2012


FLEISCH ESSEN

Essen Sie mit Genuss Gulasch, Rumpsteak und Co.? Oder ernähren Sie sich lieber fleischlos? Lesen Sie hier die Pro- und Contra-Argumente von BUND und der Schweisfurth-Stiftung zu diesem strittigen Thema.

PRO – Reinhild Benning,
Leiterin Agrarpolitik beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.)

CONTRA – Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald,
Isabel Boergen, MSc., Vorstand und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Schweisfurth-Stiftung, die sich für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft engagiert.

PRO

»Discounter-Fleisch gilt zu Recht als Klimakiller. Es gibt aber auch gutes Fleisch: Wiesen und Weiden speichern gewaltige Mengen CO2 in ihrem Wurzelwerk.«Alles muss raus! Raus auf die Wiese Damit wir uns gleich richtig falsch verstehen: Der BUND rät, essen Sie Fleisch, 1. wenn Sie es mögen, 2. Weidefleisch.
Discounter-Fleisch gilt zu Recht als Klimakiller. Es gibt aber auch gutes Fleisch: Wiesen und Weiden speichern gewaltige Mengen CO2 in ihrem Wurzelwerk. Milch von weidenden Kühen ist deshalb nach Berechnungen der Uni Kiel klimaneutral, obschon sie von Rindern, also der vermeintlichen »Klimakiller-Kuh«, stammt. Weiden sind Wohngemeinschaften der allergrößten Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und sie filtern Regenwasser besonders gut. Klimaschutz und Artenvielfalt sind von den Vereinten Nationen (UN) anerkannte dringende Aufgaben der Weltgemeinschaft. Es gilt, für Millionen Menschen in durch den Klimawandel bedrohten Regionen und auch für unsere Kinder Boden gut zu machen und für intakte Ökosysteme zu sorgen – die Voraussetzung für jegliche Form von Wohlstand. Trotzdem würden wir Menschen weder Gras noch Klee essen. Rinder, Schweine, Ziegen und Hühner dagegen schätzen das Grünland.In der falschen Fleischproduktion wird Fleisch zwar zum Beispiel mit »WIESENhof« gelabelt. Doch das ist eine vom Kennzeichnungsrecht erlaubte glatte Irreführung. Das falsche, billige Fleisch mit den hübschen Bildern auf den Verpackungen wird in aller Regel mit gentechnisch verändertem Futter aus Regenwaldregionen erzeugt, stammt aus Qualzucht und von Tieren, die statt Weidgründen kaum den Platz haben, sich um die eigene Achse zu drehen. Meist verbringen sie ihr Leben im Dunkeln auf Betonstäben, direkt über ihrer Gülle, der sie auf der Weide konsequent aus dem Weg gehen würden. In Niedersachsen werden 100 Prozent der Mastkälber und in Nordrhein-Westfalen 96 Prozent der Masthühner mit Antibiotika behandelt – die Spitze eines Eisberges staatlich vereitelter Daten. Quasi ebenso hoch sind Kontaminationen von frischem Fleisch mit antibiotikaresistenten ESBL-Keimen. Daher rät der BUND von Fleisch aus Massentierhaltung kategorisch ab. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Öko-Bauern, Neuland-Fleischereien oder Ihr Metzger um die Ecke sind Adressen, bei denen Sie nach Weidefleisch fragen können. Nur was nachgefragt wird, wird auch produziert.


CONTRA

»Jährlich wird ein Drittel der weltweiten Getreideernte an Nutztiere verfüttert, gleichzeitig hungern eine Milliarde Menschen.«

Weniger ist mehr Pro Jahr werden derzeit weltweit knapp 300 Millionen Tonnen Fleisch produziert, bis 2050 soll sich diese Zahl erneut verdoppeln. 1 094 Tiere isst der Durchschnittsdeutsche in seinem Leben. Der westliche Konsum von Lebensmitteln tierischer Herkunft ist eine ökologische, sozialethische und tierethische Katastrophe. Für die Produktion von Fleisch werden große Mengen an Ressourcen und fossiler Energie benötigt. Jährlich wird ein Drittel der weltweiten Getreideernte an Nutztiere verfüttert, gleichzeitig hungern eine Milliarde Menschen. Da der Bedarf an eiweißreichen Futtermitteln in Europa nicht gedeckt werden kann, importiert man im großen Stil – vorwiegend aus Schwellenländern. Die Folge: illegale Landnahme, Abholzung von Wäldern und dauerhafter Verlust immer knapper werdender Böden für die lokale Bevölkerung. Beispiel Brasilien: Das Land ist führender Exporteur von Futtermitteln; gleichzeitig leidet etwa die Hälfte der Bevölkerung an Mangelerscheinungen. Der globale Viehbestand verschlingt ferner acht Prozent des ohnehin knappen Süßwassers. Gleichzeitig verunreinigen gigantische Mengen an Jauche Böden, Grundwasser, Flüsse und Seen.Der maßlose Fleischkonsum hat auch gesundheitliche Folgen: Neben epidemieartigen Wohlstandserkrankungen warnen Wissenschaftler vor den Auswirkungen exzessiv verabreichter veterinärmedizinischer Arzneien, allen voran Antibiotika.

Aus tierethischer Sicht sind die derzeitigen Zustände der industriellen Produktion inakzeptabel. Die auf Leistung getrimmten »Nutztiere« leiden, degradiert zur ökonomischen Grö­ße, unter zuchtbedingten Beeinträchtigungen: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Deformierungen des Skeletts, Stressanfälligkeit und Aggressivität etwa, um nur einige zu nennen. Auch die Haltungsbedingungen der agroindustriellen Produktion werden den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht. Dabei ist man sich längst einig, dass Tiere Stress, Schmerz und Leid gleichermaßen empfinden können. Eine moralische Rechtfertigung für diese Zustände gibt es nicht. Konkret bedeutet dies: Wir brauchen eine radikale Reduktion des Konsums tierischer Produkte und die Bevorzugung von Waren aus tiergerechter, ökologischer und sozial verträglicher Erzeugung.

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2 Kommentare

  1. Ja, genau! Ich könnte meine Argumentation nicht einstellen weil ich sie ja vor 3 Monaten meinem Lehrer zurückgegeben habe, aber ich denke sie war ganz gut(Note 2; in Deutsch doch ordentlich) 🙂

    Antwort
  2. ich stimme deiner Meinung zu, jedoch halte ich 1-2 mal Biofleisch pro Woche für akzeptabel. Habe vor drei Monaten eine Argumentation über das Thema geschrieben in der Schule 😉

    Antwort

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